Author Topic: Bibliothek  (Read 2974 times)

Offline ElegyofSins

  • Moderator
  • Benutzer
  • *
  • Posts: 66
  • feel free serving the chains of fate that bind you
    • Welcome to my pity
Bibliothek
« on: 25. November 2009, 20:06:05 »
Beim Betreten der Bibliothek empfängt euch eine Stille, welche die massiven, und mit Büchern überfüllten Regale noch gewaltiger erscheinen lässt. Der ganze Raum ist mit Regalen verkleidet. Genau in der Mitte des Raumes, selbst von mehr als mannshohen Regalen umringt, steht einladend ein großer ovaler Tisch, um ihn herum Stühle, deren mit feinstem Samt überzogenen Polster zu vielen gemütlichen Lesestunden einladen. Die Auswahl der Bücher selbst ist erstaunlich, und reicht von alten Geschichtsbändern dieses Landes, und selbst von vielen fremden Ländern, von Fantasiegeschichten, Märchen und Erzählungen, Forschungsberichten, Lehrbücher zur Mathematik, ja selbst zu Büchern über schwarze Magie oder Alchemie. Eine Sparte an Kochbüchern findet sich auch darunter. Viele der Bücher sind alt und die Seiten bereits vergilbt, andere dagegen scheinen gerade frisch aus der Druckerei zu stammen. Ein kleinwüchsiger Mann, ja fast schon ein Gnom, mit einer dicken Hornbrille ist gerade dabei eine der Vitrinen, die an der hinteren Wand platziert sind, abzustauben. Er unterbricht seine Tätigkeit kurz um zu Euch aufzublicken, und mit einem Zeigefinger vor dem Mund zu signalisieren, dass hier Ruhe zu herrschen hat. Dann fegt er gewissenhaft weiter. Die Vitrinen beinhalten uralte, und dementsprechend wohl unbezahlbar wertvolle Schriftstücke, die sorgfältig auf weichem Stoff drappiert wurden.
Jedem Besucher steht es frei in der Bibliothek zu lesen,solange man ein paar einfache Regeln beachtet.



  • Ruhe!
  • Mit den Büchern ist sorgfältig umzugehen
  • Die Bücher werden nach Benutzung entweder dem Verwalter übergeben, oder an den Platz aus dem sie entfernt wurden zurückgebracht. Eine Unordnung ist zu vermeiden


*Welches Schriftstück hat Euer Interesse geweckt?*
« Last Edit: 08. January 2010, 14:47:28 by ElegyofSins »
Was macht ein Clown im Büro ? - Faxen!

Offline ElegyofSins

  • Moderator
  • Benutzer
  • *
  • Posts: 66
  • feel free serving the chains of fate that bind you
    • Welcome to my pity
Re: Bibliothek
« Reply #1 on: 08. January 2010, 14:55:03 »
Ihr greift euch ein Buch, das den Eindruck erweckt, bei der geringsten Berührung zu Staub zu zerfallen, tragt es an den Tisch und schlagt es auf. Die ersten Seiten des Buches leiten Euch ein:

Die Legenden der Zeit, so, wie sie nach den Erzählungen überliefert wurden. Unverändert und unverfälscht in Schriftform gebracht vom Berater des dritten Königs, Ale...
Der Name fehlt, die Schrift ist zu sehr ausgebleicht um etwas erkennen zu können, aber das stört euch nicht weiter, denn die Geschichte selbst, scheint in tadellosem Zustand zu sein, ja, die Tinte erweckt den Eindruck, als sei sie gerade erst aufgesetzt worden, und glitzert noch leicht feucht.
Ihr beginnt zu lesen . . .
Was macht ein Clown im Büro ? - Faxen!

Offline ElegyofSins

  • Moderator
  • Benutzer
  • *
  • Posts: 66
  • feel free serving the chains of fate that bind you
    • Welcome to my pity
Re: Bibliothek
« Reply #2 on: 08. January 2010, 14:55:34 »
Es war Nacht. Aus der Ferne war das einsame Lied einer Eule zu hören, sonst war alles ruhig. Ein kalter Wind wehte leise über die Wiesen und Felder der die langen Halme unter sich bog. Auf der großen Wiese auf dem Hügel war im hohen Gras eine dunkle Gestalt zu erkennen. Anduros, ein junger Abenteurer im Alter von dreiundzwanzig Menschenjahren, lag dort nachdenklich und beobachtete die Sterne. Die Sterne waren alles was er brauchte, die Sterne waren alles was ihm blieb. Sie hatten die Antworten auf alle seine Fragen, auch wenn sie oftmals unglaublich schweigsam blieben. Dicht an seiner Seite lag sein treues Schwert, das ihm schon oftmals aus einer brenzligen Situation geholfen hatte, und ihm stets gute Dienste geleistet hatte. Er selbst war kein Mensch. Man sah es ihm schon von weitem an, nicht nur, weil er in Etwa nur die Größe eines Zwerges hatte, nein auch wegen dem dünnen, fast nackten Schwanz, der aus seinem Mantel ragte. Fast ebenso dünne, mit grauem, borstigen Kurzhaarfell überzogene Arme und Beine, die ein wenig zu groß geratenen Hände, ja fast schon Pranken, und die Füße, für die es keine passenden Schuhe gab, trugen nicht wenig dazu bei, dass er aussah wie eine riesige Ratte und genau das hatte ihm schon oftmals viele Probleme bereitet, und das Leben in der Gesellschaft unmöglich gemacht. Aus diesem Grund zog er die Einsamkeit der Gesellschaft vor, hatte er doch nichts als Verachtung zu spüren bekommen. So weit er sich zurück erinnern konnte, hatten ihn die Menschen immer wie Abfall behandelt, ihn verprügelt, geschunden und aus den Städten und Dörfern gejagt. Im Laufe der Zeit wurde dadurch seine Abneigung gegenüber den Menschen nur geschürt, und solange er allein war, musste er sich um niemand anderen kümmern, nur um sich selbst.Wenn er oftmals so dalag, und die Sterne betrachtete, die schweigsam waren wie eh und je, so fühlte er sich wohl. Ein lautes Knacken riss ihn aus seinen Gedanken und er schreckte hoch. Es war fast Mitternacht, und es war beinahe unmöglich die bloße Hand vor Augen erkennen zu können. Lautlos richtete er sich auf und nahm sein Schwert in die Rechte. Hinter ihm hörte er Schritte im Gras, die schnell näher kamen und die Ungewissheit über das was sich dort anschlich, trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. Der Griff um sein Schwert wurde fester, als dieses drohte aus seinen schwitzenden Händen zu rutschen. Er hatte nicht den Mut zu kämpfen, sein Schwert war meist nur Schau, und auch in dieser Nacht suchte er sein Heil lieber in der Flucht, als den Erfolg im Kampf. Im selben Moment als er sich umdrehte spürte er einen überwältigenden Schmerz an seinem Hinterkopf und sackte zusammen. Das letzte was er spürte war, wie ihn etwas oder jemand an den Füßen packte und begann ihn wegzuschleifen. Das Bild des Himmels blieb ihm noch lange im Kopf.

Die Menschen in der Stadt liefen beschäftigt durch die Gassen. Es war Frühling, und das jährliche Fest stand kurz bevor. "Marietta, sei ein Schatz und bring deinem Bruder sein Essen. Du weißt doch er hat Dienst im Kerker, und darf seinen Posten nicht verlassen." Das junge Mädchen trug ein traditionelles blau-weißes Festkleid, welches mit einer weißen, mit goldenen Fäden durchzogenen Kordel, an ihrer Hüfte zusammengeschnürt war, und so nicht übertrieben ihre weiblichen Rundungen hervorhob, nickte lächelnd, nahm den Korb und machte sich auf den Weg. Das ganze Dorf war geschmückt mit Blumen und Sträuchern, Schleifen und Bändern, und die Leute standen in ihren Ständen, nur das Beste vom Besten zur Auswahl. Das gesamte Dorf war in heiterer Stimmung, alle freuten sich auf das kommende Fest. Niemand ahnte auch nur im geringsten, was auf sie zukommen sollte. Die Marktschreier brüllten aus voller Kehle ihre Waren preisend, und die Menschen vertrieben sich vergnügt die Zeit. Überall waren Spiele aufgebaut, die nicht nur die Kinder begeisterten, und so mancher Mann hatte bereits um diese Uhrzeit einen über den Durst getrunken. Marietta suchte sich zügig ihren Weg zum Verlies. Sie ging nicht gerne dorthin. Die ganzen unheimlichen und zwielichten Gestalten, die sie mit ihren lüsternen Blicken durch die Gitter begafften, ganz zu schweigen von dem widerlichen Gestank der in den Gängen hing. Ihr Bruder lächelte und winkte ihr als er sie kommen sah, hielt ihr die Türe, die in die kleine Wachstube führte, auf und trat hinter ihr ein. "Mariechen was machst du denn hier?" Sie schauderte als sie den Namen hörte. Sie hasste es wenn ihr Bruder sie so nannte und er wusste es. Doch er ärgerte seine kleine Schwester nunmal gerne. "Hier ist ihr Essen, HERR ROBERT!" Sie stellte das Körbchen nicht ohne fehlenden Nachdruck auf den Tisch. Er lächelte sie freundlich an. Es mochte für einen Aussenstehenden vielleicht seltsam aussehen, doch das war ihre Art sich gegenseitig zu zeigen, dass sie einander gern hatten. "Wie lange musst du noch bleiben? Vater braucht Hilfe für das Dach, ich habe Angst er könnte herabstürzen und sich etwas antun." Sie setzte sich mit einem Ausdruck von Sorge auf einen Stuhl in der Nähe des Eingangs zu den Zellen. Das erste "Hey Kleine!" ließ auch nicht lange auf sich warten; angewidert und unter verstummenden Pfiffen aus den Zellen stand sie auf und entfernte sich ein paar Schritte von der Tür. Sie schaute sich ein wenig um. In dem kleinen Zimmer in dem die Wachen standen befand sich nicht mehr als ein kleiner Tisch und drei dazu passende Holzstühle. Der Eingang zu den Zellen, der nur aus einem Türrahmen bestand, befand sich unmittelbar gegenüber der Eingangstür. Gerade als ihr Blick auf ein kleines, golden glänzendes Etwas das an der Eingangstür hing fiel, schwang Diese auf und zwei kräftige Männer in Wächteruniform traten ein, zwischen ihnen ein kleines, zusammengekauertes und blutendes Rattenwesen von der Größe eines Zwerges. Sie nickten nur kurz Robert zu und schleiften es dann an dem Mädchen vorbei, welches ihren Blick nicht von dem kleinen Fellbündel abwenden konnte. Bald waren die drei in der Dunkelheit des Verlieses verschwunden. "Robert was...?" Doch er signalisierte ihr durch eine Handbewegung diese Frage nicht zu Ende zu führen. "Das darf ich dir nicht sagen, tut mir Leid Kleines." Ein wenig enttäuscht versuchte sie noch einen Blick in die dunklen Gänge zu werfen, gab es aber auf, da nichts zu erkennen war. Sie drehte sich um mit den Worten "Lass es dir schmecken, und komm nicht so spät, sonst macht sich Mama sorgen" und nahm beim hinausgehen geschickt das Medaillon von der Türe.

Anduros öffnete langsam die Augen. Sein Kopf schien förmlich zu explodieren, und alles was er sah war Dunkelheit. Es war dunkel und es stank. Er versuchte sich aufzurichten, doch er taumelte ein wenig durch die Schmerzen in seinem Kopf. Seine Hand tastete orientierungslos in der Dunkelheit umher, bis er etwas spürte. Es war kalt und feucht; Mauern! Panik stieg in ihm auf. Das letzte woran er sich erinnerte war der blanke Sternenhimmel und das feuchte Gras der Wiese, auf der er lag. Er sah sich um, seine Augen zuckten von einer Richtung in die Andere, seine Hände tasteten wild in der schwarzen Leere des Raumes, die seine Augen trotz aller Bemühungen nicht zu durchdringen vermochten. Er atmete bestimmt ruhig, zwang sich dazu seinen Herzschlag zu beruhigen; sich zu beruhigen. Er wischte sich mit seinem Handrücken ein paar Tropfen von der Stirn. Ein leises Husten und Schnarchen in der Umgebung verrieten ihm, dass er nicht alleine war. Alle seine Sinne waren in höchster Alarmbereitschaft. In nicht allzu weiter Ferne konnte er ein leichtes Schimmern erkennen, das langsam immer näher kam, und dabei auf und ab wippte. Der schein der Fackel gab gar Grausiges zum Anblick. Auf den Pritschen in den Zellen lagen alle Arten von Gestalten, Orks, Menschen, Gnome, Trolle, dicke, dünne, knochige, manche mit langen fettigen Haaren, andere mit Glatzen. Aber eines hatten alle gemeinsam. Ihr Anblick war abscheulich. Der Fackelschein ging ohne langsamer zu werden an seiner Zelle vorbei, doch der kurze Augenblick genügte ihm, um sich ein Bild von seinem Gefängnis zu machen. Viel blieb ihm nicht, nirgends war ein Fenster, im Boden eingelassen war ein Gitter, das wohl einst einen Abfluss darsgestellt hatte, doch mittlerweile von Moos und Algen zugewachsen war. Die Wände waren aus Stein und bis auf das Moos und Wassergerinnsel kahl. Nichteinmal eine Pritsche war ihm geblieben, aber wenigstens war er alleine in seiner Zelle. Niemand hier, der ihn bedrängte. Er sank langsam auf den Boden zurück, zog seine Beine nahe zu sich her und legte die Arme darum.  Er saß nur still da, dachte nach und wartete auf das Nächste was passieren konnte. Wenn doch nur der Schmerz nachlassen würde...

Einsam und verlassen stand die kleine Hütte in einer Lichtung im Dunklen Wald. Die Hütte, eigentlich eher ein Baumhaus, war aus Holz, klein, rund und stabil. Weißer Rauch stieg aus dem Schornstein in den nächtlichen Himmel empor, und durch das kleine Fenster drang ein fahler Lichtschein. Im Inneren stand ein kleines Wesen vor dem Kamin, in welchem ein großer schwarzer Kessel über dem Feuer hing, und gar seltsame Sachen ihn ihm brodelten. Die kleine Hexe reichte mit ihren Augen gerade so über den Rand des Kessels, aber ihre langen, dürren und knochigen Finger rührten unaufhaltsam den großen Holzlöffel im Kessel herum. Kichernd wand sie sich von der Feuerstelle ab, stieg von einem kleinen Holzschemel herab, und wühlte aufgeregt in verschiedenen Zutaten, Gefäßen, und Ampullen auf einem kleinen Tisch umher. Triumphierend und unter teuflischem Gekicher hob sie einen alten Krähenfuß in die Höhe, nur um ihn dann unter unheilvollem Gemurmel in dem Kessel zu versenken. Das Wasser verfärbte sich schlagartig blutrot, und der Rauch der vom Kessel emporstieg wurde tiefschwarz. Ein lautes Klopfen an der Türe ließ die kleine Gestalt zornig herumfahren. Mit finsterem Blick stapfte sie, sichtlich genervt, auf die Türe zu. "Keine Geduld heutzutage. Keine Geduld". Sie riss die Türe auf und blickte auf die Knie eines in einem langen schwarzen Mantel gekleideten Wesens. Ihr Blick wanderte nach oben, doch das Gesicht blieb unter der tief herunter gezogenen Kapuze verborgen. "Was willst du jetzt schon hier? Ich bin noch nicht fertig". Ohne ein Wort zu sagen schob sich die Gestalt an der Hexe vorbei, wischte mit einer kurzen Handbewegung allerlei Dinge von einem Stuhl und setzte sich langsam. Eine tiefe, grollende Stimme drang unter der Kapuze hervor. "Die Pläne haben sich geändert. Sie haben die Ratte. Und das Medaillon ist fort." Ein Ausdruck des Entsetzens hatte sich in das Gesicht der Hexe gebrannt, die dicke Warze auf ihrer Knollennase bebte.Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie auf den Überbringer der Hiobsbotschaft, und schrie, mit fast schon zittriger Stimme: "WAS??. Das ist unmöglich. Aber..aber..was machen wir nur, was machen wir..?" Das kleine Etwas wuselte in ihrem Haus herum, sammelte ab und an halbherzig ein paar Gegenstände auf nur um sie kurz darauf planlos und unter Kopfschütteln wieder fallen zu lassen, murmelte unverständliches, wirres Zeug zu sich selbst und hatte die Anwesenheit des Mantelträgers und die brodelnde Hexensuppe scheinbar gänzlich vergessen. Die Gestalt im Mantel schüttelte nur den Kopf. Sie erhob sich, schritt langsam zur Tür und öffnete diese. Im Türrahmen blieb sie stehen, drehte sich um und blickte noch einmal auf das völlig verlorene Wesen. "Ich komme wieder, wenn klar ist wie es nun weiter geht." Mit diesen Worten verließ sie das Haus, und ließ die kleine Hexe allein.

In Gedanken versunken saß Marietta auf ihrem Bett und betrachtete das Medaillon. Ihre meeresblauen Augen taxierten sorgfältig jeden Millimeter des unbekannten Schmuckstückes. Es war wunderschön verarbeitet und zeigte zwei schlangen die sich um ein Pentagramm wanden. Edelsteine, von der Farbe so rot wie Blut, ersetzten die Augen. Sie war begeistert davon. Auch wenn es nur ein ordinäres Schmuckstück war meinte sie doch so etwas wie eine unheimliche Aura über ihm zu spüren. Ihre Finger glitten in stummer Faszination über die gebogenen Körper der Vipern als das Geräusch der sich öffnenden Haustüre sie auffahren ließ. Ihr Bruder war zuhause! Sie verstaute das Medaillon schnell in ihrem Nachtschränkchen und eilte nach unten. Entsetzt hielt sie mitten auf der Treppe Inne, und starrte ungläubig auf das was sie sah. Ihr Vater stand zusammengesunken im Türrahmen, blutüberströmt. Hinter ihm im Schatten standen zwei grobschlächtige Gestalten, von langen, dunklen Mänteln verhüllt. Das Mädchen versteckte sich am Treppenanfang und lugte kleinlaut durch das Gestänge. Die dunklen Gestalten traten ein, der Vater wurde verächtlich beiseite gestoßen. Sein letzter Blick galt seiner Tochter, als er in seinem eigenen Blut liegend seinen Atem aushauchte. Eine letzte Träne suchte sich ihren Weg in die Freiheit. Niemand schien sich darum zu kümmern. Marietta musste sich ein Schluchzen verkneifen, als Tränen begannen in Strömen über ihre Wangen zu rinnen und ihren Blick trübten. Ihre Hände klammerten sich an die Stangen des Treppengeländers, dass ihre Knöchel begannen sich weiß abzuzeichnen und ihre Augen weiteten sich, als sie in der Ecke des Wohnzimmers ihre Mutter kauern sah. Sie betete, dass auch sie noch unentdeckt blieb, doch es war bereits zu spät. Eine der Gestalten schritt auf sie zu, zückte mit einer kurzen Handbewegung ein Schwert und beendete das Leben der alten Frau. Marietta konnte das alles nicht länger mit ansehen. So leise sie konnte hastete sie unter Tränen in ihr Zimmer, schnappte sich das Medaillon, warf sich noch schnell einen Mantel über und öffnete das Fenster. Sie versicherte sich, dass draußen niemand stand um sich dann bereit zu machen über den Hinterhof zu flüchten, als sie plötzlich Stimmen hörte. Stimmen die auf keinen Fall Menschlich waren. Sie hörte jemanden grollen: "Es muss hier irgendwo sein. Finde es! Töte jeden den du siehst!" Sie wusste nicht was hier vor sich ging. Sie verstand garnichts. Sie wollte nurnoch von hier fort. Schritte ließen sie aufschrecken und sie sprang aus dem Fenster. Sie landete weich im wassergetränkten Matsch und hörte noch, wie jemand ihr Zimmer völlig verwüstete.Sie unterdrückte einen Schrei, als ihr Nachttischchen aus dem Fenster flog. Mit hecktischen, nervösen Blicken überflog sie den, sonst so vertrauten Hinterhof, spürte den kaltnassen Matsch an ihren Knöcheln nicht, hörte nicht mehr die wütenden Aktionen der Plünderer, die ihrer Unzufriedenheit nichts und niemanden vorgefunden zu haben freien Lauf ließen nicht mehr. Sie spürte nur noch das dumpfe Gefühl der Taubheit in ihren Kopf schleichen, das Drücken, das einem den Verstand raubt. Sie wusste weder was tun, noch wohin, sie wusste nur eines: sie wollte weg von hier, und das schnell. Ohne noch länger zu zögern rannte sie los. "Dort ist jemand. Holt sie euch." Erschrocken drehte sie sich um. Drei Gestalten in langen Mänteln standen da, zwei davon setzten sich in Bewegung sie zu holen. Durch den Schein einer Fackel sah sie das Gesicht des Dritten. Ihre Augen weiteten sich, und sie spürte wie ihr ein Klos im Hals die Luft abschnitt, als sie das Gesicht erkannte: Es war ihr Bruder!
   
Anduros öffnete langsam die Augen. Er musste eingeschlafen sein. Er erhob sich mühsam, die Kopfschmerzen waren verschwunden, aber durch den harten Boden schmerzten nun alle seine Gliedmaßen. Er wusste noch immer nicht wo er war, und warum er hier war. Nur eines war ihm klar, er wollte hier nicht sein. Es gab noch immer nirgends eine Lichtquelle, und von irgendwoher ertönte monotones Schnarchen. In so einer Situation hatte er sich noch nie befunden. Er war völlig hilflos, und wusste keinen Ausweg. Er wusste nicht, was er tun konnte. Bisher hatte er noch immer einen Ausweg gefunden, doch diesmal schien es keinen zu geben. Er raffte sich auf, und suchte nach den Gitterstäben. Sie waren zwar an manchen Stellen rostig, aber dennoch stabil. Er tastete ein wenig den Raum ab, um vielleicht irgendwo eine Schwachstelle auszumachen, doch die Wände waren massiv, und das Gitter bot keine Lücke. Seufzend sank er wieder zu Boden. Er war den Tränen nahe. Er schlug die Arme über dem Kopf zusammen und unterdrückte ein Schluchzen, als ihn lautes Getöse vom Ende des Ganges aufblicken ließ. Er wischte sich die Tränen aus den Augen und beobachtete durch das Gitter, wie weiter hinten Licht entzündet wurde. Kampflärm beherrschte die Szene, Waffengeklirr war zu hören und die Schreie der Sterbenden hallten von den Wänden wider. Er schreckte hoch, als jemand rückwärts in den Gang fiel, und zugleich von drei weiteren Gestalten zertrampelt wurde. "Findet die Ratte. Sie muss hier irgendwo sein." Die Ratte! Wer auch immer diese Gestalten waren, sie wussten von ihm und sie wussten, dass er hier war. Nur wusste er nicht, ob sie ihm freundlich gesinnt waren. Eine Wache stürzte sich auf die drei, doch das Scheitern dieser Aktion war bereits von Anfang an besiegelt. Eine der drei Gestalten packte den Wächter und schleuderte ihn den Gang hinunter. Mit einer klaffenden Wunde am Hinterkopf blieb er unweit von Anduros' Zelle liegen. Das Licht, das von dem Zimmer am Ende hereindrang war spärlich, doch es reichte Anduros, um einigermaßen klar zu sehen. Er streckte seine dünnen Arme durch die Gitterstäbe, und versuchte die Wache zu erreichen, doch er war zu klein. Unter Schmerzen presste er sich noch weiter an das Gitter, vom Rost scharfkantig zerfressene Gitterstäbe schnitten ihm in Wange und Brust, doch er brauchte nur noch ein kleines Stückchen. Noch ein wenig mehr! Dann bekam er etwas zu fassen. Etwas weiches, warmes, ihm gefror das Blut in den Adern, als er erkannte, dass seine Finger in der Wunde der Wache Halt gefunden hatten. Nichtsdestotrotz zog er den leblosen Körper an sich, da die dunklen Gestalten, nun mit Fackeln bewaffnet, sich daran machten die Zellen auszuleuchten. Mit nervösen Fingern wühlte er überall in den Taschen des Toten, bis er endlich fündig wurde. Allerdings blieb das Öffnen der Zelle nicht unbemerkt, viele der anderen Gefangenen machten Lärm, weil sie ebenfalls frei gelassen werden wollten. Anduros warf den Schlüssel in irgendeine Zelle als er bemerkte, dass auch die drei düsteren Gestalten auf den Tumult aufmerksam wurden. Ohne noch länger nachzudenken rannte er los. Er hatte keine Ahnung wohin die Gänge führten, oder ob sie nicht schon nach wenigen Metern endeten, doch es war seine einzige Chance. Tief in seinem Inneren wusste er, dass diese Gestalten nichts gutes mit ihm vorhatten, auch wenn ihm völlig fremd blieb, was sie denn von ihm wollten. Er hielt plötzlich Inne, als er das Ende des Tunnels erreichte, hier war das Ende seiner Flucht. Mit weit aufgerissenen Augen drehte er sich um, und konnte nur mit ansehen, wie die drei dunklen Gestalten sich ihren Weg durch die nun befreiten Gefangenen bahnten. Wieder machten sich Tropfen auf seiner Stirn breit, die Hände wurden schwitzig und zitterten und er suchte einen Ausweg, als sein Blick auf ein rostiges altes Gitter im Boden fiel. Es war seine einzige Hoffnung. Er riss und rüttelte daran, zu seinem Glück gab es schon nach kurzer Zeit nach. Er zwängte sich hindurch, und fand sich im riesigen Tunnelnetz der Kanalisation wieder. Allerdings war hier kein Funken Licht. Er drehte sich erschrocken um, als die drei Gestalten das Gitter erreichten, und wütend dagegen schlugen. Er hatte wieder einmal Glück, für das Loch waren sie zu groß, aber er wusste es war nur eine Frage der Zeit, bis sie durchbrachen, und so machte er sich auf den Weg.

Endlose Zeit irrte er in den Tunneln umher, er wusste nichts davon, dass gleichzeitig ein junges Mädchen verängstigt und in Tränen durch den dunklen Wald rannte und noch weniger wusste er, wie wichtig sie einmal für ihn sein würde.


- Ende Teil 1 -
Was macht ein Clown im Büro ? - Faxen!

Offline ElegyofSins

  • Moderator
  • Benutzer
  • *
  • Posts: 66
  • feel free serving the chains of fate that bind you
    • Welcome to my pity
Re: Bibliothek
« Reply #3 on: 08. January 2010, 14:56:01 »
"Wir...wir... Das Amulett ist fort" stammelte der Diener kleinlich und zuckte zusammen, aus Angst vor dem Zorn seines Herren. "Es ist WAS?" entfuhr es dem alten Mann als er herumwirbelte und dabei seinen knorrigen Gehstock der erbärmlichen Kreatur an den Kopf schmetterte. "Unnützes Pack. Wo ist es?" fuhr ihn der Alte an. In seinen kalten, weißen Augen stand der Zorn geschrieben. Er starrte die kümmerlich zusammengerollte Kreatur vor ihm auf dem Boden an, ließ dann von ihr ab und vergrub das von Zornesfalten durchzogene Gesicht in seiner Linken. Die Rechte umklammerte fest den alten Gehstock aus massiver Buche, während er ein paar Schritte ging. Die Kreatur wimmerte nur vor Angst und Schmerz, und als sie gerade genug Mut gesammelt hatte um einen weiteren Satz vorzubringen unterbrach ihn der Alte forsch. "Schweig! Ich will nichts davon hören." Er setzte sich, sichtlich erschöpft, auf eine art Thron aus schwarzem Marmor, der ebenso gebieterisch wie kalt in der Mitte des Raumes stand. Eine Zeitlang saß er regungslos da, den Kopf auf seiner Hand gestützt, bis er endlich seinen Befehl gab :"Ich will es haben. Besorge es schnell, egal wie!" Die jämmerliche Gestalte rappelte sich auf, rieb sich die schmerzende Stelle am Kopf und wollte sich demütig verbeugen. "Hinfort mit dir!" schrie der Alte, und die Kreatur stolperte so schnell wie möglich aus dem Raum, gerade flink genug, um dem hinterhergeworfenen Buchenstab zu entgehen. Der Alte erhob sich von seinem Thron und begab sich auf die andere Seite des Raumes. Es war ein relativ kleines Zimmer, mit nur einem kleinen Kronenleuchter an der Decke, dem Thron des Alten, einem Tisch, auf dem allerlei seltsame Gegenstände, Phiolen und Ampullen standen, einem mannshohen Spiegel und einem riesigen, kreisförmigen Spiegelrahmen. Der graue Mantel des Alten schleifte über den staubigen Boden, als er sich bewegte. Vor der großen kreisrunden Spiegelfassung blieb er stehen. Er hob die Arme seitwärts, schloss die Augen und begann mystische, uralte und vergessene Formeln und Flüche zu murmeln. Das Gestell begann leicht zu glühen, der Staub auf dem Boden wurde aufgewirbelt als sich uralte Energien manifestierten und in der Fassung ein Portal bildeten. Hinter diesem Portal herrschte reine Dunkelheit die das spärliche Licht im Raum zu verschlingen schien. Der alte Magier murmelte noch einige Beschwörungszauber, sodass kurz darauf unzählige kleine, schwarze Dämonen, aus dem Portal krochen und sich auf den Weg machten den Auftrag ihres Meisters zu erfüllen.

Tränen rannen über ihre Wangen und Marietta rannte wohin ihre Beine sie trugen. Sie blickte nicht zurück, sie wusste auch nicht wohin sie rannte. Es war ihr egal, sie wollte nur fort. Fort von dem Unglück das sie mit ansehen musste, fort von ihrem Bruder, fort von ihrer Angst. Erschöpft brach sie weinend zusammen. Sie war letztlich allein. Ihre Verfolger hatte sie tief im Wald, vor Ewigkeiten schon, abgehängt. Sie lehnte sich mit dem Rücken an einen Baum, zog ihre Beine zu sich her, legte ihre Arme darum und verharrte so eine Weile. Sie versuchte sich ein wenig zu beruhigen, doch es wollte nicht so ganz gelingen, da die einzigen ihrer Gedanken im Moment keine anderen waren als: "Was ist passiert? Was mache ich jetzt? Wo bin ich und wo soll ich hin?". Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, und betrachtete noch einmal das Amulett. War es daran schuld, was passierte? Ihre Augen weiteten sich, als das Amulett anfing schwach bläulich zu glühen, doch es hörte so plötzlich wieder auf, wie es angefangen hatte. Ungläubig rieb sie sich noch einmal die Augen, und beobachtete das Schmuckstück noch einmal genauer. Es blieb unverändert. Mit der festen Überzeugung, sich nicht geirrt zu haben fasste sie einen Entschluss. Sie wollte herausfinden was es mit dem Amulett auf sich hatte, sie wollte herausfinden wer am Tod ihrer Eltern Schuld trug, und sie wollte Rache. Vor allem Rache. Mit neu erstarktem Mut richtete sie sich auf, wischte sich die letzten Tränenreste aus den Augen und blickte sich um, um sich ein Bild davon zu machen wo sie war. Zu ihrem Glück kannte sie die Stelle, an der sie sich befand, sie war nicht weitab vom Dorf und so beschloss Sie mit ihrer Suche eben in diesem zu beginnen. Voller Entschlossenheit machte sie sich auf den Weg.

Seit Stunden schon irrte er durch die Gänge, oder zumindest kam es ihm wie Stunden vor. Er war sich ziemlich sicher sich verlaufen zu haben, doch er hatte keine andere Wahl als immer weiter zu gehen. Sein Herz blieb vor Freude beinahe stehen, als er meinte Licht zu sehen. Ungläubig und voller Hoffnung rannte er darauf zu. Wenige Meter vorher kam ihm plötzlich ein grausamer Gedanke: Was wenn es seine Verfolger waren? Schnell suchte er ein sicheres Versteck und hechtete sich zur Seite. Er verharrte dort eine Weile regungslos, bis er bemerkte, dass sich das Licht nicht bewegte, und auch sonst nicht wie Fackelschein aussah. Er watete noch die letzten Meter durch das dreckige Wasser, welches in den Gängen stand und konnte kaum glauben, dass er endlich im Freien war. Die Freude darüber wurde schnell getrübt, als er an sich heruntersah. Dreck und Abfälle, und vielleicht noch schlimmeres, er wollte es nicht so genau wissen, hatten sich an seinen Füssen und an seinem Mantel festgesetzt. Angewidert lief er dennoch ins Freie. Er schaute sich ein wenig um, vielleicht fand er einen Fluss, oder einen See, schließlich ist er durch die Kanalisation gewatet. Ein Gefühl der Vertrautheit überkam ihn beim Anblick dieses Ortes. Er war sich sicher, hier noch niemals gewesen zu sein und doch, kam ihm alles so bekannt vor. Irgendetwas in seinem Hinterkopf gab ihm ein ungutes Gefühl, doch er konnte nicht zuordnen was es war, und das Einzige das er im Moment wollte war ein Bad, also verwarf er die lächerlichen Unruhen und setzte seinen weg fort. Die Sonne war bereits aufgegangen, als er sich auf die Suche nach Wasser machte, was es ihm um einiges leichter machte. Allerdings auch die Suche seiner Verfolger, falls diese nicht schon längst aufgegeben hatten. Nach kurzer Zeit schon hatte er gefunden, wonach er suchte. Am Fuße des Hügels auf dem er stand sammelte sich ein kleiner See, aus kristallklarem Wasser. Von hier sah es so aus, als läge ein Stück Himmel zwischen dem saftigen Grün der grasbedeckten Hügel. Etwas weiter entfernt meinte er Rauch auszumachen, doch er dachte sich nichts weiter dabei. Voller Freude auf das kommende Bad rannte er den Hang hinab, zog sich dabei seinen Mantel vom Leib und sprang in das erfrischende Nass. Er wusch sich und die Klamotten gründlich, lieber einmal mehr als zu wenig, und legte sich dann in die nun warme Sonne, die auf den bewachsenen Hang schien. Als er so dalag, machte er sich einige Gedanken darüber, wie es nun weiter gehen sollte. Seine Waffe war weg, er hatte keine Ahnung wer oder was hinter ihm her war, noch wusste er warum. Er setzte sich auf. Er erinnerte sich daran, vorher Rauch gesehen zu haben und nahm sich vor ersteinmal dort nachzusehen, wo Rauch war waren meistens auch Lebewesen, und auch wenn er es schwer hatte unter anderen Leuten, so war das im Moment das einzig Sinnvolle, das er tun konnte.

Das Knacken kleinerer Äste war zu hören, als Marietta durch den Wald lief, sonst war es still. Kein Vogelgesang war zu vernehmen, keine Rufe anderer Waldbewohner, fast so, als wäre niemand hier. Im Wald herrschte eine düstere Stimmung, Marietta war sich sicher, dass die Sonne bereits aufgegangen sein muss, aber hier spürte sie nichts davon. Nirgends gaben die Bäume genug Platz um auch nur den kleinsten Lichtstrahl durch ihre Wipfel zu lassen, aber dennoch, von irgendwoher, entstand ein leichtes und unheimliches Leuchten, sodass der Wald nicht in völlige Dunkelheit getaucht war, als hätte der Wald sein eigenes Licht. Sie lief weiter unaufhaltsam in die Richtung, in der sie das Dorf vermutete, ihre Beine und ihr Kleid waren zerkratzt von Ästen und Sträuchern, die ständig ihren weg kreutzen. Erleichtert atmete sie auf, als sie das Ende des Waldes erkannte. Die Sonne war bereits hoch am Himmel, und strahlte hell auf den Dorfplatz. Mit Mühe schaffte sie es eine Freudenträne zurück zu halten, und beschleunigte ihre Schritte. Als sie aus dem Wald heraustrat, hielt sie einen Moment verwundert Inne. Etwas hier war seltsam, woher kam der viele Rauch?  Sie befürchtete Schlimmes. Sie rannte auf das Dorf zu, suchte sich ihren Weg durch enge Gassen und Hinterhöfe, dem Dorfplatz entgegen. Zu ihrer Verwunderung hörte und sah sie niemanden, obwohl jetzt zur Zeit der Festigkeiten immer ein reger Betrieb im Dorf herrschte, ihr Herzschlag beschleunigte sich, begann ein Wettrennen mit den Gedankenfetzen, die ihr durch den Kopf schossen. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzten, und ihr Herz blieb beinahe stehen, als sie den Dorfplatz vor sich sah. Sie blickte starr auf das Bild purer Grausamkeit. Der gesamte Platz stand in Flammen, die Häuser drumherum brannten lichterloh, oder waren bereits gänzlich in sich zusammengestürzt; Leichen pflasterten die Wege und Blut färbte das gesamte Gebiet. Ihr Blick verschwamm, als sich ihre Augen mit Tränen füllten. Sie verstand garnichts mehr, es ergab alles keinen Sinn. Sie fühlte sich verloren. Niemand war hier um ihr zu helfen, niemand war hier um ihre Fragen zu beantworten, es war nichteinmal jemand hier, um sie einfach nur in den Arm zu nehmen und zu trösten. Sie brach weinend zusammen, ihr Gesicht in den Händen vergraben auf die Knie gelegt, und dachte an ihren Vater, ihre Mutter, an alle anderen im Dorf, aber letztendlich saß sie nur da, und weinte. Fast unbewusst klammerte sie sich an das Amulett, das in ihren Händen schwach bläulich schimmerte.

Der Rauch wurde immer mehr und immer dicker, als Anduros den Hügel hinaufstieg. Es musste ein riesiges Feuer sein, vielleicht von einem Fest. Er beschleunigte seine Schritte, was wenn etwas passiert war? Er rannte in Richtung des Rauches, und er erkannte auch schon bald einige Häuser, von hier sahen sie aber ganz normal aus. Auch als er die Häuser endlich schwer atmend erreichte, fand er nichts schlimmes vor, die Rauchquelle allerdings war noch weiter fort, im Zentrum des Dorfes. Er schüttelte den Kopf und lachte, als die Anspannung von ihm abfiel. "Alter Schwarzseher", tadelte er sich selbst. Sichtlich beruhigt machte er sich auf den Weg zur Dorfmitte. Am Ende der Strasse allerdings, fiel ihm ein großes schwarzes Etwas auf, das zusammengekauert dort lag. Zügig ging er darauf zu, und mitten auf seinem Weg hielt er inne. Mit starrem Blick betrachtete er die Hauswände an denen das Blut herabtropfte, blutende Körper, die aus den Fenstern hingen färbten die Wände rot. Auf der Strasse lagen weitere Leichen, und dickflüssiges, rotes Wasser formte sich zu kleinen Bächen durch die Pflastersteine. Was zur Hölle war hier nur geschehen? Er wandte seinen Blick wieder dem Rauch zu, vielleicht war noch nicht alles zu spät. Er rannte darauf zu, auf seinem Weg dahin erblickte er noch viel grausameres. Überall wo er hinsah erkannte er Blut, Leichen, von Männern, Frauen, ja sogar Kindern und Säuglingen, wie sie einfach auf der Strasse lagen, aus den Fenstern gelehnt auf die Wege tropften, manche waren auf Speeren aufgespießt und in die Erde gerammt, andere waren enthauptet und anderweitig verstümmelt. Ein Gefühl von Panik stieg in ihm auf. Wer oder was auch immer das hier angerichtet hatte, musste grausam, gefühllos und vor allem viel stärker sein als er. Er betete zu seinen Göttern, dass er diesem Etwas niemals begegnen müsste, er wusste nicht, dass die Götter andere Pläne hatten. Er erreichte den Dorfplatz, der lichterloh in Flammen stand. Nun war ihm klar, woher der Rauch stammte. Verwirrt und orientierungslos lief er einige zögerliche Schritte auf dem Platz umher, als sein Blick auf eine kleine zusammengekauerte Gestalt fiel. Es wird nicht mehr als eine weitere Leiche sein, dachte er zu sich selbst, doch irgendwie wollte er es genau wissen, Etwas in ihm trieb in vorwärts. Er schritt auf sie zu und er vernahm ein Schluchzen und Wimmern, das lauter wurde, als er näher trat. Es weinte. Es weinte! Das bedeutete es war noch am leben, wer oder was auch immer es war. Er beschleunigte seine Schritte, innerlich beruhigt, noch jemanden gefunden zu haben der am Leben war. Hinter der Kreatur sah er noch drei weitere Gestalten auftauchen, seine Freude wuchs. "Da ist sie schnappt sie euch!" hörte er eine der drei schwarzen Gestalten rufen, und sah das Mädchen aufschrecken. Instinktiv wusste er, diese vier gehörten nicht zusammen, und die drei Gestalten wollten sicherlich nichts gutes von ihr. Ohne weiter nachzudenken rannte er auf sie zu, packte das überraschte Ding an der Hand und rannte los.

Völlig perplex leistete Marietta keinen Widerstand, als er sie fortzog, schon nach kurzer Zeit aber sträubte sie sich und versuchte sich loszureißen. Anduros verstärkte seinen Griff nurnoch, er hatte keine Zeit ihr auch nur den Ansatz einer Erklärung zu bieten, er wollte nur so schnell wie möglich weg von den drei Dunklen, welche ihnen dicht auf den Fersen waren. Zu ihrem Glück waren die Gassen eng, und oftmals mit Kisten oder Fässern versperrt, welche das Vordringen der drei erschwerte, Anduros aber im Grunde keine Schwierigkeiten bereiteten. Nur Marietta wehrte sich immer heftiger, sodass er sie loslassen musste. Er fuhr herum und starrte ihr ernst ins Gesicht. "Hör zu! Ich weiß nicht wer du bist, und ich nehme an, du weißt auch nicht wer ich bin, aber das spielt jetzt keine Rolle. Das einzig Wichtige im Moment ist, dass uns drei Gestalten verfolgen und ich mir sicher bin, dass keiner von uns denen in die Hände fallen will." Er blickte ihr noch einen kurzen Moment ernst, und nicht ohne fehlenden Nachdruck, ins Gesicht. Ihre Augen waren wund gerieben und gerötet vom vielen Weinen. Ihr Gesicht war zerkratzt und schmutzig, und tief im Inneren spürte er Mitleid für sie aufkeimen. Sie nickte nur stumm und nahm wieder seine Hand, sanfter diesmal. Anduros blickte kurz auf ihre ehemals wohl zarten, weichen und sanften Hände, die jetzt geschunden waren, so wie der Rest von ihr. Sie bot einen jämmerlichen Anblick, doch umsomehr wuchs in ihm das Bedürfnis ihr zu helfen, sie zu beschützen. Der Lärm den die drei Dunklen machten als sie um die Ecke brachen und dabei Kisten und Fässer mit sich rissen, ließ beide aufschrecken. Ohne zu zögern rannte er weiter, und zog sie mit sich. Ihre Flucht gestaltete sich um einiges leichter, jetzt da sie sich nicht mehr gegen ihn wehrte, und schon bald waren die Dunklen außer Sichtweite. Dennoch dachte Anduros nichteinmal daran jetzt stehen zu bleiben, er suchte einen Ort, an dem sie sicher waren. Er dachte daran, sich in einem der Häuser zu verstecken, schließlich waren die Mörder dort schon gewesen, doch er wollte raus aus dem Dorf, weg von diesem grausamen Szenario. "Warte!" keuchte das Mädchen noch kurz bevor sie in die Knie brach. Sie war völlig erschöpft, doch sie konnten hier nicht bleiben, noch nicht. Anduros wollte weg von hier, raus aus dem Dorf, doch es hatte keinen Zweck, sie noch weiter zu drängen, er sah ein, dass sie keinen Meter mehr zurücklegen konnte. Er seufzte schwer, was blieb ihm anderes übrig? Er hob sie auf seine Arme, was sich als schwierig herausstellte, da sie größer war als er, und schleppte sie in das nächste Haus das er erreichte. Er trug sie in den Keller, legte sie auf ein behelfsmäßiges Bett, das aus zwei Kisten mit ein paar Fellen darauf bestand und verbarrikadierte die Tür mit dem Gerümpel das er auf die Schnelle fand.Ein alter Stuhl, Kisten mit Wein, und ein paar Stöcken. Sie schlief sofort ein, und ihm blieb nichts anderes übrig als zu warten.


- Ende Teil 2 -
Was macht ein Clown im Büro ? - Faxen!

Offline ElegyofSins

  • Moderator
  • Benutzer
  • *
  • Posts: 66
  • feel free serving the chains of fate that bind you
    • Welcome to my pity
Re: Bibliothek
« Reply #4 on: 08. January 2010, 14:56:52 »
Fackelschein erhellte spärlich den großen Saal, dichter Rauch schob sich über die Ränder eines riesigen Kessels und bedeckte den Boden. An der Wand dahinter stand das große Portal des Magiers und das ganze Szenario wurde überschattet von einem überdimensionalen Stundenglas. Die kleine Hexe war eifrig dabei diverse Zutaten in dem Kessel zu versenken und damit die Farbe des Rauches konstant zu ändern. Überall im Saal befanden sich kleine schwarze Dämonen, nicht mehr als vage, dunkle Klumpen mit kaum erkennbaren Gliedmaßen oder Gesichtszügen, die sich, wie Schatten, spielerisch umherjagten. Den alten Mann kümmerte das alles nicht. Gedankenversunken bahnter er sich seinen Weg durch den Saal. Die kleinen Dämonen wichen respektvoll von ihm zurück, doch er beachtete sie nicht einmal. "Wir brauchen dringend das Amulett, ohne es können wir die Zeremonie nicht vollenden." knurrte er vor sich hin. Die große Tür zum Gang schwang auf und drei vermummte Gestalten traten ein. "Meister, wir haben das Mädchen gefunden, doch..." es war offensichtlich, dass die Wut in dem alten Mann anstieg, doch noch versuchte er sich zu beherrschen. Er drehte sich um und starrte mit kaltem Blick auf die drei Ankömmlinge: "Doch.."? Der Frontmann der drei, der zuerst gesprochen hatte zuckte ein wenig zurück. Unsicher setzte er hinzu "...doch wir haben sie im Dorf verloren, sie muss sich noch in irgendeinem der Häuser befinden, aber das Geröll erschwert uns das vorankommen." Der Alte drehte sich grimmig um, sein schwerer Mantel wehte durch die Bewegung. Er sah sich ein wenig um, dann befahl er den Dämonen auszuschwärmen und sich auf die Suche zu machen. Kurz bevor sie den Saal verließen setzte er noch hinzu : "Und wir brauchen das Mädchen lebend." "Herr, da war noch jemand bei ihr, ich konnte es nicht genau erkennen, doch er sah aus wie eine Ratte". Die Augen des alten Magiers weiteten sich. "Was? Er ist hier? Und er hat das Amulett?" schnellen Schrittes ging er auf einen riesigen Tisch zu, auf dem unzählige alte und staubige Bücher lagen, nahm eines hervor und blätterte darin herum. "Die Sache entwickelt sich überhaupt nicht so, wie ich das eigentlich geplant hatte"

Selbst Anduros fiel es mit der Zeit schwer die Augen offen zu halten, doch er machte sich immer wieder klar, dass es jetzt wichtig sei, nicht einzuschlafen. Um sich wach zu halten durchsuchte er ein wenig den Keller, der zur Zeit ihr freiwilliges Gefängnis war. Überall waren Fässer, manche mit Reis, andere mit Wein oder Met gefüllt, Kisten mit allerlei Dingen darin, Essen, Werkzeuge, doch er fand nirgends etwas brauchbares. Marietta atmete leise und ruhig als sie schlief, und wog Anduros so auf gewisse Art und Weise in Sicherheit. Er bemerkte ein Schwert an der Wand hinter ihr, und versuchte es so gut es ging zu erreichen ohne sie dabei zu wecken. Seine kurzen Arme waren ihm dabei keine besonders große Hilfe, doch es gelang ihm, und das Mädchen schlief friedlich weiter. Das Schwert war zwar nicht von besonderer Qualität, aber noch scharf genug um damit zu kämpfen, und es war nicht zu groß für ihn, also im Moment das Beste was er hatte. Ein wenig erleichtert darüber endlich nicht länger unbewaffnet zu sein, setzte er sich wieder auf eine der Kisten und wartete, bis Marietta endlich aufwachte. Sein Körper verlangte nach Schlaf, doch ein seltsames Kratzen an der Türe ließ ihn aufschrecken. Er nahm das Schwert fest in die Hand und ging langsam auf die Türe zu.Seine Hand berührte den Knauf, als due Tür zerbarst und ein kleines schwarzes Wesen vor ihm stand. Er wusste nicht was es war, oder woher es kam, aber es sah grausig aus. Es war nur ein kleines schwarzes Etwas, Arme und Beine waren zu erkennen, sowie Kopf und Rumpf, aber außer einem Mund voller spitzer Zähne war in dem Gesicht nichts. Im nächsten Augenblick schon sprang der Dämon auf Anduros zu,doch die Klinge, hinter welcher er sich reflexartig versteckte, stoppte den Angriff relativ schnell. Das Schwert glitt beinahe ohne jeglichen Widerstand durch das Wesen hindurch, welches regungslos und zweigeteilt hinter ihm auf dem Boden lag, und begann sich in feinen Nebel aufzulösen. Sein Herz raste und Schweiß stand ihm auf der Stirn. Was zur Hölle war das nur? Er wusste nur eines: sie mussten hier raus! Er wollte gerade das Mädchen wecken, als seine Aufmerksamkeit auf die Horde der kleinen Wesen, die nun in der Türe standen, gelenkt wurde. Er schluckte schwer. Diesmal gab es keine Möglichkeit zur Flucht, diesmal musste er kämpfen. Er Schluckte den Klumpen in seinem Hals schwerfällig hinunter, und stürzte sich dann, in Gedanken laut schreiend, in das schwarze Meer von Dämonen.

Der Kampf dauerte nicht lange, und Anduros trug nur einige kleine Schrammen davon. Der Schweiß brannte zwar in den Wunden, doch hatte er ganz andere Dinge im Kopf. Mit pochendem Herzen ging er auf Marietta zu und rüttelte sie eher unsanft wach. Sie stammelte etwas verschlafen einige verwirrte Fragen, doch Anduros zog sie nur schweigend mit sich. Er wusste selbst nicht wo er sich hinbegab, doch war er stets auf der Hut. Sie waren nirgends mehr sicher, und ein Angriff war zu keiner Zeit auszuschließen. Marietta gähnte ständig und rieb sich ab und an die Augen. "Mutter lass mich doch noch ein wenig schlafen, wo gehen wir hin?" Für sie war alles nur ein böser Traum gewesen. Unwissend, was alles wirklich passierte schreckte sie zurück, als sie Anduros klar erkennen konnte. Für einen Moment stand sie nur still da, und sah sich um. Ihr Entsetzten war ihr klar anzusehen, als sie sich zu erinnern begann. "Hey was machst du da? Wir haben keine Zeit, wir wurden angegriffen als du schliefst. Wir müssen weg von hier. Jetzt!" Sie schüttelte nur ungläubig den Kopf. Angegriffen? Von wem, und warum hatte sie das nicht bemerkt? Anduros setzte schweigend seinen Weg fort, und ließ ihr keine andere Möglichkeit als ihm zu folgen. Der Weg der beiden führte sie aus dem Dorf auf die großen Felder. Anduros fühlte sich erleichtert endlich aus dem Dorf heraus zu sein, doch sicher fühlte er sich lange noch nicht. "Ich denke wir können hier für eine kurze Weile bleiben" meinte er, als sie eine große alte Eiche erreichten. Marietta setzte sich auf eine Wurzel, die weit aus dem Boden ragte. Anduros ging zu ihr hin und lehnte sich an den Stamm. "Hey sag mal Kleine, wer waren die Typen die dich verfolgten, und was wollten sie von dir?". Marietta senkte bedrückt den Kopf zu Boden, und kämpfte gegen ein paar Tränen an, die ihre Augen füllten. "Ich weiß nicht wer es genau war, aber sie haben meinen Vater und meine Mutter getötet." Ihr Blick wurde zornig, und ihre Hand umschloss mit festem Griff das Amulett das kalt die Tränen auffing, als sie sprach. "Mein Bruder war einer von ihnen, und ich habe ihm Rache geschworen. Bitte hilf mir dabei...ehm..ich kenne deinen Namen noch nicht einmal, aber Danke für deine Hilfe.Ich heiße Marietta.Es tut gut jemanden wie dich gefunden zu haben."Die letzten Worte sprach sie mehr zu sich, und es lauschte nur der Wind. Ihre Stimmung lockerte sich ein wenig, jetzt da sie jemanden hatte mit dem sie reden konnte, und der zu ihr hielt. "Anduros ist mein Name." Er nahm galant ihre Hand und drückte einen sanften Kuss darauf. "Es ist mir eine Ehre, und ich bedaure dein Schicksal. Und du weißt wirklich nicht, wer es war, oder wo man sie findet?" Sie schüttelte nur traurig den Kopf. Sein Blick fiel auf das Amulett um ihren Hals. "Woher hast du das?" sein Gesicht zeigte, dass es ihm wohl bekannt sein müsste, doch er selbst war sich nicht sicher, es war nur so ein 'Gefühl'. Er wollte gerade seine Hand danach ausstrecken, als ein lauter Knall sie aufschrecken ließ. Anduros fuhr erschrocken herum, doch alles was er sah, waren silberne Rauchschwaden aufsteigen. Silberner Rauch bedeutete nichts gutes, das war ihm klar, dennoch wollte er sich die Sache einmal genauer ansehen.

"WAS KÖNNT IHR EIGENTLICH?" Die Stimme des alten Mannes hallte durch die Höhlen, sodass sich kleine Steinchen von der Decke lösten und leise an der Wand entlang auf den Boden kullerten. Silberner Rauch schob sich an der Decke entlang ins Freie. An einer Stelle in der Höhle waren Boden und Wände schwarz von der Explosion die sich ereignete, als die Hexe die falsche Zutat in den Kessel warf. Der Magier war kurz davor in seiner Wut seine unfähigen Diener in Flammen aufgehen zu lassen, doch er besann sich wieder und löschtedas magische Feuer in seiner Hand. Genervt setze er sich auf seinen Thron und ließ den Kopf in seiner Hand versinken. Er winkte kraftlos in die Richtung der Hexe und murmelte ein "macht es eben nocheinmal". Eifrig begann alles durcheinander zu wuseln und Kessel, Tische und Stühle, sowie die gesamten Zutaten wieder an Ort und Stelle zu rücken. Einige der kleinen schwarzen Wesen brachten Wasser um den Kessel zu füllen, Andere Kräuter und Zutaten, die bei der Explosion zerstört wurden. Die kleine Hexe, von einer Rußschicht überzogen, ansonsten aber noch recht heil, begann sofort wieder damit etwas zu brauen. Im Hintergrund trat eine der gewaltigen Gestalten in den schwarzen Mänteln ein und verbeugte sich vor seinem Herrn. "Meister, wir wissen wo das Mädchen steckt, sie ist nicht weit fort von hier. Aber ER ist noch immer bei ihr." Der Alte sah auf. Freude und Sorge teilten sich das Gesicht des Mannes. "Hat er... hat er das Amulett?". Die Gestalt richtete sich wieder auf. "Das kann ich Euch leider nicht sagen, aber wenn es stimmt was ihr sagt, dann denke ich nicht." Der alte Mann nickte nur kurz, in Gedanken schon wieder ganz wo anders und eher beiläufig gab er den Befehl auszuschwärmen, und das Mädchen zu holen. Beinahe im selben Moment, als die Gruppe den Saal verließ, war in der Höhle ein Poltern zu vernehmen. Niemand beachtete es zuerst, denn bei dem regen Treiben, das in der Höhle herrschte passierte so etwas öfter, erst der Schrei einer jungen Frau ließ den alten Magier auffahren. Er sah sich um und erblickte weit oben, knapp unter der Decke, wie jemand versuchte eine zweite Person zurück in eine Höhle zu ziehen. Erschrocken fuhr er auf. "Dort sind sie. Holt sie euch!" brüllte er dabei wutentbrannt in die Masse seiner Diener. Die Blicke der Massen folgten der Richtung in der sein Arm gerichtet war, und sofort strömten die aufgeregten Dämonen durcheinander, mit nur einem Ziel.
Was macht ein Clown im Büro ? - Faxen!

Offline ElegyofSins

  • Moderator
  • Benutzer
  • *
  • Posts: 66
  • feel free serving the chains of fate that bind you
    • Welcome to my pity
Re: Bibliothek
« Reply #5 on: 08. January 2010, 14:57:06 »
Der Blick des alten Magiers war noch immer starr auf die Höhlenöffnung oben in der Decke gerichtet, auch wenn die beiden Personen dort schon längst nicht mehr zu sehen waren. Der alte Mann verschwendete keinen Gedanken darüber wie die beiden hier hereingekommen waren, das Amulett, und das Mädchen waren das einzige, das wichtig war. Er zwang sich seinen Blick von dort oben wegzureißen und schritt bestimmt auf die Hexe zu, deren Vorbereitungen voll im Gange waren. Eifrig war sie noch immer damit beschäftigt Allerlei im Kessel zu versenken, und die Farbe des Rauches konstant zu ändern, sodass sie ihren Meister zuerst nicht bemerkte, erst als er sie barsch anfuhr, fuhr sie vor Schreck zusammen und ließ die Phiole fallen, die sie soeben in den Kessel werfen wollte.Sie zerbrach mit einem kurzen Puffen, als sie auf dem Boden aufschlug, und eine rose Kröte hüpfte, sich lautstark beschwerend, davon. "I-ich bin gleich soweit, Herr." Der Magier nickte zufrieden, warf nocheinmal einen zornigen Blick zur Höhle unter der Decke, und begann dann unruhig umherzulaufen, es war alles nurnoch eine Frage der Zeit, und dann würde ihn niemand mehr aufhalten können. Niemand. Dann wäre die Macht über die Zeit sein. Seine Glieder zitterten vor Erregung bei diesem Gedanken. Sein Kopf fuhr herum als die große Tür am Ende der Halle lautstark aufschwang und die Gruppe der drei schwarzen Gestalten eintrat, Anduros und Marietta als ihre Gefangenen vorantreibend. Kurz vor dem Magier wurden sie unsanft zum stehen gebracht, doch die bösen Blicke, die Anduros ihnen zuwarf, brachten niemanden aus der Ruhe. Der Magier starrte nur begierig auf das Amulett um den Hals des Mädchens und wollte beinahe schon danach greifen, als er sich gerade noch rechtzeitig davon abhalten konnte. "Sehr gut. Sehr gut! Endlich sind sie da. Bringt das Mädchen hinüber, vor das große Stundenglas, und bindet sie fest. Mit ihm macht was ihr wollt." Dann schritt er zielsicher auf einen Tisch zu, nahm ein einziges Buch davon und begann etwas darin zu suchen. Bald schon wurde er fündig und machte sich auf den Weg zum Stundenglas, wo die Hexe mit dem fertigen Gebräu, so wie seine Diener mit der Gefangenen auf ihn warteten. Er stellte noch einmal sicher, dass sie das richtige Amulett trug, und begann dann, von geheimnisvollen Handbewegungen begleitet, alte Zauberformeln und Flüche mit seinen Lippen zu formen, ohne diese wirklich laut auszusprechen.

Marietta stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Die Fesseln waren fest, und scheuerten ihre Handgelenke wund. Der Knebel in ihrem Mund war zu fest um richtig zu atmen. Voller Panik sah sie sich nach Anduros um, doch dieser wurde, trotz heftiger Gegenwehr, an einen Pfahl gebunden, und die Diener und Dämonen machten es sich einen Spaß daraus, ihn abwechselnd mit ihren Waffen zu peinigen. Sie schloss die Augen im Schmerz, und in Gedanken an ihn, doch sie wusste nicht was zu tun war. Sie verzweifelte bei dem Gedanken, dass sie gefunden hatte was sie suchte, aber nun nichts mehr tun konnte. Sie wusste nicht was dieser Irre von ihr wollte, oder was es mit diesem Amulett auf sich hatte, doch sie wünschte sich, sie hätte es niemals gefunden. Das Amulett begann bei den Beschwörungen des Magiers immer stärker zu leuchten und es fühlte sich an, als würde es sich in ihre Brust brennen. Der Kessel, der zwischen ihr und dem Magier stand, brodelte gefährlich, und ab und an stieg die Flüssigkeit daraus empor, und Marietta schien es sogar so, als würde sie für kurze Zeit Gestalt annehmen. Sie erschrak als der alte Mann plötzlich seine Beschwörungen beendete und die Augen aufriss. Sie blickte in die Augen eines alten, wahnsinnigen Mannes, und es erfüllte sie mit Angst. Sie wusste nicht was hier vor sich ging, was er vor hatte, und warum ausgerechnet sie es sein musste, die hier angekettet war. Der Magier klappte laut das Buch zusammen,sodass der Staub von Jahrzehnten eine Wolke um den Einband bildete, und ging langsam auf das Mädchen zu. Er schritt bedächtig um sie herum, betrachtete ihre Schönheit, den Glanz ihrer Augen, das makellose Gesicht. Sie versuchte sich abzuwenden, als er mit seinen knorrigen Fingern an ihrer Wange entlangfuhr, doch es gab kein Entrinnen. Im Hintergrund musste sie die Schmerzensschreie Anduros' ertragen, die wie kleine Stiche ins Herz zu ihr durch die Höhle drangen. Der Magier ließ wieder von ihr ab, und postierte sich triumphierend vor dem gesamten Abbild sich seiner tobenden Dienerschaar zugewandt. "Hört mich an. Das Werk ist bald vollbracht. Nurnoch kurze Zeit, und die gesamte Macht über die Zeit wird mir gehören. Dann, wenn ich endlich Herr der Zeiten bin, wird ein neues Reich entstehen, eine neue Ära wird anbrechen. Eine Ära unter meiner Herrschaft; die Ära der Dämonen!" Der Gesamte Saal brüllte und jubelte vor Zustimmung und Enthusiasmus. Was alle allerdings nicht bemerkten war, dass Anduros' Fesseln durch die Peitschenhiebe und Schläge mit den Keulen und Schwertseiten in Mitleidenschaft gezogen wurden, und es ihm ein leichtes war sie zu zerreißen. Er entwaffnete ohne große Mühe einen der umstehenden Männer, und beendete dessen kümmerliches Leben kurzerhand. Die Worte 'Das hättet ihr mit mir auch besser sofort tun sollen' begleiteten den Sterbenden noch auf seinem Weg in die Hölle. Diese Aktion blieb allerdings nicht ganz unbemerkt, und so sah er sich sofort einigen bewaffneten, und zum Töten bereiten Feinden gegenüber, die nicht nur in der Überzahl waren, sondern jeder Einzelne von ihnen womöglich auch noch stärker als er selbst. Er kämpfte verbittert gegen die Masse des Feindes, und es war sein Glück, dass sie sich alle darum rissen ihn töten zu dürfen, und sich dadurch beinahe schon gegenseitig zerfleischten, dennoch war es nicht einfach. Eine der riesigen Gestalten packte ihn mit einer Hand an seinem kleinen Schädel und schleuderte ihn durch die halbe Höhle hindurch. Anduros landete unsanft auf dem Rücken, und er hörte wie die Knochen seines linken Armes der Wucht des Aufpralls nachgaben und brachen. Er versuchte den Schmerz zu unterdrücken und wieder aufzustehen, denn Liegenbleiben wäre sein sicherer Tod. Die Masse der Dämonen brach in schallendes Gelächter aus, als sie ihn durch die Höhle fliegen sahen, doch machten sie sich sofort wieder daran, den Befehl ires Meisters zu erfüllen. Der alte Mann, von diesen Unruhen nicht sonderlich angetan, brüllte zornig auf seine Untergebenen ein, und begann dann hektisch wieder seine Zauberformeln zu zitieren aus Angst, es könnte etwas schief gehen. Marietta versuchte zu schreien, denn die Schmerzen die das Amulett verursachten waren auf das Unerträgliche angestiegen, doch umso mehr sie an ihren Fesseln zog und riss, umso mehr schnitten sie sich in ihr Fleisch, und umso mehr sie sich wand und regte, umso schmerzhafter wurde jegliche nächste Bewegung. Tränen rannen wie seichte Bäche über ihre Wangen, kleine Ströme warmen Blutes bahnten sich ihre Wege die Arme entlang und färbten den Boden rot. Die Flüssigkeit aus dem Kessel begann nun aufzusteigen und Formen anzunehmen, Formen von grässlicher Gestalt. Es veränderte seine Form ständig, und wuchs dabei immer weiter, beschworen durch die Worte, welche über die Lippen des Magiers traten. Das Stundenglas, an dem Marietta angebunden war, begann ebenfalls schwach zu leuchten, und die Kreatur aus der Flüssigkeit richtete gierig ihren Blick darauf. Marietta verstand das alles nicht, sie wollte nur fort von hier, fort von den Schmerzen, fort von den Gestalten, fort von den Erinnerungen.

Anduros kämpfte immer noch verbittert, doch sein Zustand verschlechterte sich von Minute zu Minute, seine Kraft ließ langsam nach, sein linker Arm schmerzte und war nicht zu gebrauchen, und Blut sickerte durch unzählige Wunden, bestimmt blutete er auch in seinem Inneren. Er bemerkte allerdings nicht, wie er immer weiter in Richtung der Zeremonie getrieben wurde, die anscheinend ihrem Ende näher rückte, denn das wahnsinnige Gelächter des Magiers hallte durch den gesamten Saal. Alles richtete seinen Blick auf das Podest, und auch Anduros konnte nicht anders. Er musste mit ansehen wie der alte Mann, beide Arme von sich gestreckt, mit schallendem Gelächter, vor Marietta stand die von einer Kreatur bedrängt wurde, deren Grässlichkeit nicht in Worte zu fassen war. Dann, plötzlich, spürte er einen stechenden Schmerz an seiner rechten Seite, und musste bemerken, dass die Spitze eines Speeres einen Weg durch seinen Magen gefunden hatte. Wohl nicht jeder war von diesem Anblick gefesselt. Anduros brach in die Knie. Sein Blick verschwamm. Er sah noch unscharf, wie die Kreatur wohl offensichtlich im Begriff war Besitz von Marietta, der Amuletträgerin, zu ergreifen. Das konnte er nicht zulassen, so konnte er nicht sterben. Er kniff die Augen zusammen, sammelte seine letzten Kräfte, richtete sich auf, und warf mit aller Kraft die ihm noch zur Verfügung stand sein Schwert auf das Geschehen. Dann brach er zusammen. Der Magier fuhr erschrocken herum, als er aus seinem Augenwinkel etwas entdeckte, das auf ihn zu kam, und riss entsetzt die Augen auf. Mit einem Aufschrei versuchte er das Schwert aufzuhalten, und wenn das heißen würde sich in die Flugbahn zu werfen, doch er schaffte es nicht. Marietta hatte unter Beten versucht das alles zu ertragen, doch war es alles zu viel für sie. In dem Moment, in dem sie dem Willen des Monsters nachgeben wollte, traf das Schwert auf das riesige, leuchtende Stundenglass, und es zerbrach. Die Zeit schien für einen kurzen Moment still zu stehen. Die Massen der Dämonen schauten ratlos auf das Geschehen. Marietta schloss verzweifelt die Augen und gab dem kalten Griff der Kreatur nach. Der Magier starrte wahnsinnig auf das zerbrechende Stundenglas. Auf einmal zerbarst dieses und der gesamte Raum wurde von einem Leuchten, heller als der Schein der Sonne, durchdrungen. Anduros spürte noch, wie er durch den Raum geschleudert wurde, es fühlte sich an, als würde er verbrennen, jede einzelne seiner Gliedmaßen fühlte sich an, als stünde sie in Flammen, ja selbst sein Inneres schien zu verbrennen. Die Schmerzen die er ertragen musste waren unglaublich, eine Ohnmacht überkam ihn und alles wurde schwarz vor seinen Augen. Dann war alles auf einmal vorbei. Die Schmerzen, der Lärm, alles fort.

Es war Nacht. Aus der Ferne war das einsame Lied einer Eule zu hören, sonst war alles ruhig . . .
Was macht ein Clown im Büro ? - Faxen!