Author Topic: Die Wirtschaftsverfassung der BRD  (Read 2364 times)

Offline Mino

  • Oberbarde
  • Administrator
  • Uralter Hase
  • *
  • Posts: 631
  • Non omnis moriar.
    • Mino der Barde
Die Wirtschaftsverfassung der BRD
« on: 26. April 2009, 21:41:02 »
Die Wirtschaftsverfassung der BRD:

Verhinderung einer wirtschaftlichen Neuordnung durch Restauration des Kapitalismus


Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab es gro?e Probleme, die stark angeschlagene Wirtschaft in Deutschland wieder zu stabilisieren. Schuld daran waren nicht die Kriegssch?den an der Gro?industrie, die zwar vorhanden, aber eher gering waren, sondern vielmehr die Teilung Deutschlands und die damit verbundenen politischen und vor allem wirtschaftlichen  Hemmnisse. 
1947 schlossen sich daher die britische und die amerikanische Besatzungszone zu einer ?Bizonalen Organisation?, einem vereinigten Wirtschaftsgebiet, zusammen. Da man fast ?berall der Ansicht war, der Sozialismus sei der beste Weg, die Wirtschaft wieder zu stabilisieren, wollte man eine Besserung der Versorgungslage erreichen, indem man Lebensmittel und Rohstoffe zentral sammelte und anschlie?end ?ber die Bizonale Organisation gerecht umverteilte. Selbst der Zonenausschuss der CDU in der britischen Besatzungszone forderte in dem Ahlener Programm ?die Vergesellschaftung der Bergwerke?. Die CDU begr?ndete dies allerdings  mit dem Recht des Individuums auf wirtschaftliche Freiheit, das nicht durch die Zusammenballung wirtschaftlicher Macht in den H?nden Einzelner gef?hrdet werden d?rfe.
In Westdeutschland entstanden in den Jahren 1946 und 1947 die meisten der heutigen Bundesl?nder und die ersten Nachkriegsverfassungen, in welchen sich ebenfalls sozialistische Ans?tze ausbildeten.
Nachdem die Bizonale Organisation zuerst an dem Fehlen eines zentralen Lenkungsorgans und  dann auch noch, unter Anderem aufgrund Personalmangels, an der Umverteilung der Lebensmittel scheiterte, wurde sie f?r ungeeignet befunden.

Die US-amerikanischen Besatzer waren der Ansicht, dass die Wirtschaft nur durch Kredite wieder in Schwung gebracht werden k?nnte. Sie setzten die Sozialisierungsgebote der L?nderverfassungen wieder au?er Kraft So zum Beispiel Artikel 41 der hessischen Landesverfassung, der da lautet:    
?Mit Inkrafttreten dieser Verfassung werden
1. in Gemeineigentum ?berf?hrt: der Bergbau (Kohlen, Kali, Erze), die Betriebe der Eisen- und Stahlerzeugung, die Betriebe der Energiewirtschaft und das an Schienen oder Oberleitungen gebundene Verkehrswesen.?
Unter anderem taten sie dies, da die finanzielle Unterst?tzung eines sozialistischen Systems f?r sie nicht in Frage kam. Offiziell f?hrten sie an, dass die Wirtschaftsordnung erst von dem noch ?zu errichtenden Gesamtstaat? festgelegt werden solle.
Durch ihren Einfluss verhinderten die USA somit eine wirtschaftliche Neuordnung in Richtung Sozialismus und sorgten daf?r, dass der Kapitalismus wieder aufgebaut wurde, was wohl, wie die Geschichte gezeigt hat, der richtige Weg war.
Am 5. Juni 1947 wurden die Pl?ne f?r das ?European Recovery Program?, auch ?Marshallplan? genannt, bekanntgegeben. Der Marshallplan sah eine finanzielle, wie auch eine Unterst?tzung Westeuropas durch Rohstoffe, Lebensmittel und Waren auf vier Jahre vor. Damit wollte man die Probleme der ?berproduktion in Amerika und der Mangelsituation in Europa in einem Zug beheben.
Au?erdem sollten auf diese Weise amerikanische Firmen in Europa etabliert werden. Die amerikanischen Besatzer verfolgten damit die Absicht, die europ?isch-amerikanische Wirtschaft zu verflechten, um auch in Zukunft einen wirtschaftlichen Nutzen aus dieser Situation ziehen zu k?nnen. Durch die Subventionierungen der eigenen Firmen sollten diese die Marktf?hrerschaft ?bernehmen. Dies diente auch dem Abbau von Handelshemmnissen in Europa.
Um wirtschaftlichen Nutzen aus Deutschland ziehen zu k?nnen, wurde am 21. Juni 1948 die Reichsmark durch die Deutsche Mark ersetzt. Mit einer neuen, sicheren W?hrung sollte eine sichere Basis f?r die wirtschaftliche Verflechtung geschaffen werden.
1948 fand zwischen den USA, England, Frankreich und den Beneluxl?ndern die Londoner Sechsm?chtekonferenz statt, deren Ziel es war, Deutschland in die V?lkergemeinschaft zu integrieren und es zu einem demokratischen Staat zu machen. Aufgrund dieser Zielsetzung wurde die UdSSR gar nicht erst geladen. Auf der Konferenz stimmte Frankreich der Vereinigung seiner Besatzungszone mit der amerikanisch-britischen Bizone zur Trizone zu und im Mai 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland mit Konrad Adenauer als erstem Bundeskanzler gegr?ndet.
Unter ihm war Ludwig Erhard, der schon zuvor als ?Direktor der Verwaltung f?r Wirtschaft des vereinigten Wirtschaftsgebietes? agierte, Wirtschaftsminister der Bundesrepublik. Er vertrat das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft mit der er ?Wohlstand f?r alle? zu erreichen gedachte.
Die Soziale Marktwirtschaft setzt voraus, dass aus gesundem Wettbewerb Wohlstand f?r Alle resultiert. Erhard sagte, der ?Zweck allen Wirtschaftens? k?nne nur der Verbrauch sein, und somit m?sse man die Produktion von Konsumg?tern ankurbeln. Durch den Wettbewerb entsteht Leistungswillen, denn nat?rlich will jeder seine eigenen Produkte auch verkaufen k?nnen.
Der Wettbewerb wird gesichert durch Kartellgesetze. Diejenigen, die aus gesundheitlichen oder Altersgr?nden, oder weil nicht gen?gend Arbeitspl?tze zur Verf?gung stehen, nicht am Wirtschaftsprozess teilhaben k?nnen, werden durch Renten- und Sozialgesetze gesch?tzt. Der soziale Ausgleich wird nach dem Leitsatz ?Eigentum verpflichtet? (GG, Art.14, Abs.2) durch Steuern geleistet. Artikel 14, Absatz 3, zusammen mit Artikel 15 (Sozialisierung) setzen des Weiteren den Rahmen, in dem auch weiterhin Enteignungen und Vergesellschaftung durchgef?hrt werden k?nnen.
Dem Staat f?llt somit in der sozialen Marktwirtschaft eine W?chterposition zu. Er muss notfalls sch?tzend und regulierend eingreifen.


Malte Lange

__________________________________________
Quellen:
-   G?rtemaker, Manfred: Kleine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Verlag C. H. Beck, M?nchen 2002. Kapitel 4. Der Erfolg der Marktwirtschaft
-   Grundgesetz. Stand: April 1989
-   M?ller, Helmut M. (Hrsg.): Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 1996, 3. Auflage. Kapitel 12.14 Sozialistischer oder kapitalistischer Weg, Kapitel 13.25 ? Soziale Marktwirtschaft
-   Unterrichtsmitschriften
-   ?Das Script?
-   de.wikipedia.org
-   http://www.kas.de/upload/themen/programmatik_der_cdu/programme/1947_Ahlener-Programm.pdf
« Last Edit: 26. April 2009, 21:43:31 by Mino »
Gre,
Mino der Barde
___________

Praesis ut prosis, non ut imperes.