Author Topic: Gestensprache: Charles-Antoine Coypel - Perseus befreit Andromeda  (Read 5882 times)

Offline Mino

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Gestensprache in

Charles-Antoine Coypel
Perseus befreit Andromeda


(Quelle: http://www.hellenica.de/Griechenland/Mythos/Bild/PerseusCoypel.jpg)



Gliederung:
- Der Künstler
- Die Geschichte
- Bildbeschreibung
- Einordnung des Bildgeschehens
- Gesten
- Quellen

Der Künstler:
Charles-Antoine Coypel, geboren 1694 in Paris, wo er 1752 auch starb, entstammt einer Künstlerfamilie.  
1715 trat er der Académie Royale de Peinture et de Sculpture bei.
1722 wurde er Hauptmaler Philipps  II. von Orléans.
1747 wurde er Direktor der Académie Royale de Peinture et de Sculpture und Premier Peintre du Roi.

Geschichte:
Perseus, Sohn des Zeus, ist auf dem Heimweg, nachdem er im Namen König Akrisios‘ die Medusa getötet hat. Unterwegs findet er Andromeda an einen Felsen gekettet. Die Mutter Andromedas – Kassiopeia – hatte behauptet schöner zu sein als die Meeresnymphen – Nereiden – woraufhin Poseidon das Meeresungeheuer Ketos sandte, die Küstengebiete des Reiches ihres Mannes – König Kepheus – zu verwüsten. Um das Monster zu besänftigen soll Andromeda geopfert werden. Perseus aber tötet das Monster, während die Eltern Andromedas bang zusehen, und bekommt dafür die Hand Andromedas und das Reich ihres Vaters.

Bildbeschreibung:
Das Bild zeigt einen größtenteils düsteren, mit Sturmwolken verhangenen Himmel und eine aufgewühlte See. Am Himmel zuckt ein Blitz. Rechts ist eine Festungsanlage zu sehen.
Links oben im Bild ist ein Mann zu sehen, der mit Flügeln an den Knöcheln, Flügelhelm, Schwert und Schild vom Himmel kommt. Hinter ihm bricht die Wolkendecke auf und helles Licht strahlt um ihn herum. Er hat sein Schwert erhoben und scheint sich auf ein Meeresungeheuer zu stürzen, das sich am Fuße eines im Bildzentrum gelegenen Felsens befindet.  Auf dem Felsen ist eine barbusige Frau angekettet. Über den beiden schwebt ein geflügelter Knabe mit Bogen und einem Blasinstrument. Im Wasser schwimmen fünf verstimmte nackte Frauen. Rechts kniet eine Frau in Kostbaren Gewändern an Land und streckt flehentlich die Hände nach dem Mann aus, der vom Himmel kommt. Hinter ihr steht ein Händeringender, bärtiger Mann in kostbaren Gewändern.  Im Hintergrund ragen Speere gen Himmel. Auf den Mauern der Festungsanlage drängt sich eine große Menschenmasse. Neben der Gestensprache fällt die stark ausgeprägte Mimik der Figuren, vor allem der Frauen im Wasser, auf.


Einordnung des Bildgeschehens:

Bei dem Mann, der vom Himmel kommt handelt es sich wohl um Perseus, der sich auf das Meeresungeheuer Ketos stürzt, das gerade die an den Felsen gekettete Andromeda verschlingen wollte. Ketos hat den Kopf bereits Perseus zugewand. Im Wasser schwimmen die erzürnten Nereiden, während rechts am Ufer Kassiopeia und Kepheus um das Leben ihrer Tochter bangen. Den geflügelten Knaben, der über Perseus und Andromeda schwebt, würde ich als Eros verstehen, was die Liebe oder erotische Anziehungskraft symbolisieren könnte, die die beiden empfinden. Der Blitz in den Sturmwolken könnte auf Perseus‘ Vater Zeus hindeuten.

Gesten:
Kepheus: wringt die Hände, und hat den Kopf zurück geworfen. Es könnte sich um die Geste „Ploro“ – laut weinen – handeln.
Kassiopeia: Kniet, reckt die Hände Perseus entgegen, die Handflächen zeigen zueinander.  Könnte für Admiror (bewundern) stehen, in diesem Kontext und in zusammenhang mit ihrem Gesichtsausdruck passt aber vermutlich Supplico (demütig bitten/anflehen) besser.
Andromeda: liegt recht entspannt auf ihrem Felsen, blickt zu Perseus, die Arme in Ketten.
Perseus: stürzt fast Kopfüber auf Ketos zu, und holt weit mit seinem Schwert aus
Nereide ganz rechts: hat eine Hand zur Faust geballt, was Minor (Drohen) bedeuten könnte. Sie blickt dabei finster zu Perseus.
Nereide links: hat einen Zeigefinger nach oben gestreckt und scheint Perseus damit zu tadeln. (Compello)
Nereide mit Rücken zum Betrachter: streckt die Arme aus, die Handflächen zeigen von ihr fort. Könnte für Execratione repellit stehen, was wohl eine Art der Zurückweisung wäre.



Referat von Malte Lange
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Quellen:
http://www.utexas.edu/courses/larrymyth/images/perseus/NH-Cuypel.jpg
Bulwer
Grüße,
Mino der Barde
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Praesis ut prosis, non ut imperes.