Author Topic: "Geschichte der Musik" von Desîhra  (Read 2677 times)

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"Geschichte der Musik" von Desîhra
« on: 26. April 2009, 21:57:04 »
Gregorianischer Gesang  (Frühes Mittelalter um 500 nach Chr.)

Der Gregorianische Choral ist der heute noch praktizierte einstimmige, lateinische, liturgische a  capella-Gesang in der Katholischen Kirche. Der Gregorianische Gesang wird in der Regel von einer Chorschole (Chorsänger) vorgetragen. Der Gregorianische
Choral ist benannt nach Papst Gregor I (der Große) (604 n. Chr.). Historiker sind sich jedoch darüber einig, dass Papst Gregor I nicht als Komponist dieser Gesänge betrachtet werden kann, obwohl sein Name erstmals im Prolog des Cantatorium von Monza
im 9. Jahrhundert auftaucht. Die Gesänge entstanden nach heutigen Erkenntnissen in Rom und zwar vor, während und nach Gregors Zeit. Unter der Führung Roms kam es zu einer liturgischen Vereinheitlichung des Westens. Dies gelang dem Papsttum mit Hilfe der
Karolingischen Monarchie. Unter Pipin (*751 - 768) wurde Gallien unter Karl dem Großen (*768 - 814) das ganze Land von Frankreich unter römischen Einfluss gebracht. Ende des 6. Jahrhunderts führte Papst Gregor I eine Erneuerung der römischen Liturgie
durch. Wie mehrere andere Päpste auch, bemühte sich Papst Gregor I um die Ordnung und Sammlung der römischen Liturgie. Zur Zeit Gregor I gab es unterschiedliche Liturgien und Gesangsarten, wie die Römische, die Mailändische, die Spanische, die Gallikanische
und die Irisch-britische. Im Osten gab es die byzantinische, die ost- und westsyrische Gesangsart. Diese Vereinigung betraf in erster Linie Verwaltungs- und Kirchenrecht, in zweiter Linie die Liturgie und den Choral. Erst zu dieser Zeit wird der gregorianische
Gesang mit der Autorität Gregor I verbunden. Der gregorianische Gesang entwickelt sich aus dem feierlichen Gesang der Psalmen, die im Solo- oder Chorgesang kunstreich mit Einwurf und Gegenstimme vorgetragen wird. Fachlich nennt sich das Antiphon und
Responsorium (Wechselgesang zwischen Geistlichen und Chor oder Gemeinde). Der Gesang ist rhythmisch und dynamisch verschieden und lebt von der Wiederholung von Melodie-Abschnitten. Absolute Tonhöhen und Metrum (Geschwindigkeit) sind nicht vorgegeben.
Erst seit dem 9. Jahrhundert wurden die Melodien der Gesänge mit Hilfe von so genannten Neumen festgehalten (Neumen geben nur die ungef?hre Tonhöhe und Tonbewegung an).
Vorher mussten die Melodien mündlich überliefert werden. Vor Einführung der Neumen sind allerdings Textbücher des gregorianischen Repertoires überliefert, wie Gesangsbücher ohne Noten.

Der Choral war zur damaligen Zeit (Mittelalter) aktiver Bestandteil der Liturgie von Messen und Stundengebeten (Offizien). Zu jedem Stundengebet gehörte das Singen von Psalmen mit den dazugehörigen Antiphonen, das Singen von Hymnen und Cantica und der
Schriftlesung mit den dazugehörigen Responsorien. Seit dem 2. Vatikanische Konzil (Versammlung kirchlicher Würdenträger) 1962 und der Liturgiereform erklingt heute der gregorianische Choral nur noch selten in Kirchen und dort meistens vereinzelt in der
Liturgie. Grund dafür ist die Einführung der muttersprachlichen Gesänge. In den letzten Jahrzehnten haben sich jedoch immer wieder neue Choralscholen gebildet, die diesen Gesang pflegen.

Der Erforschung des gregorianischen Chorals (gregorianische Semiologie) und Verbreitung des gregorianischen Gesangs widmet sich heute die Internationale Gesellschaft für Studien des gregorianischen Chorals ( AISCGre).

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Mittelalter (500 bis 1450 nach Chr.)

Im Mittelalter kommt es um 900 ? 1320 neben den einstimmigen Ges?ngen auch zum mehrstimmigen Gesang. Bis dahin gab es 2 Notierungsarten, und zwar die eine der Griechen, die 24 Buchstaben aus dem Alphabet zur Notation benutzten und die Notation von Gregor
dem Gro?en, der zur Vereinfachung die ersten 7 Buchstaben aus dem lateinischen Alphabet benutzte (Diatholische Tonleiter).

Beide Notierungsarten konnten jedoch das Steigen und Fallen der Melodien nicht anschaulich darstellen. Um 1025 erfand Guido von Arezzo die Notenlinien. Er benutzte 4 Linien und die dazwischen liegenden Spalten, um den Neumen im Umfang einer Octave ihren
bestimmten Platz zuzuweisen. Dadurch wurde es m?glich, genaue Tonh?hen festzulegen und Melodien nachzuspielen. Neben dem liturgischen Gesang entwickelte sich der ein- und mehrstimmige Weltlicher Gesang. Die Zeit der Troubadoure und Minnes?nger beginnt.
Am Anfang und Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelt sich vor allem in Frankreich die Kunst der Musik. Die Troubadours beginnen von der Liebe zu dichten, singen Taglieder, die das Trennen des liebenden Paares beschreibt, singen Pastorela, d.h. sie besingen
die niedere Minne, Ritter- und Bauernm?dchen. Man h?rte die Siaventes, den sogenannten Spruch, das waren politische, moralische, soziale und sonstige Lieder; es entstand der ?Chanson de Croisade? (Kreuzlied), das waren Kreuzzugsaufrufe oder Kreuzzugsberichte;
weiter gab es die ?Lamentation? (Trauerlieder auf den Tod des Herren und andere Trauerlieder); au?erdem gab es das
?Jeu parti?, welches Wechselrede und Streitgespr?che beinhaltete und die Balladen, die Tanzlieder waren.

Am Ende des 12. Jahrhundert entsteht in Nordfrankreich die erste vierstimmige Komposition der Weltgeschichte. In dieser Zeit entsteht auch die bekannte ?Carmina Burana?, Dichtungen, die mit Melodien kombiniert wurden.

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Renaissance (um 1550 nach Chr.)

Mit der Renaissance endet das Mittelalter und die Neuzeit beginnt mit dem 15. und 16. Jahrhundert. Es kommt zu einer R?ckbesinnung an die Antike, wo der Mensch zum Ma? aller Dinge geworden war. Es kommt gleichzeitig zu neuzeitlichen Entdeckungen in der
Natur und der Welt. Es entwickelt sich der ?Humanismus?, der Begriff der Menschlichkeit. In der Musik lie?en sich zur Orientierung an der Antike zwar keine Originale finden, doch kommt es hier auch gegen?ber des Mittelalters zur ?Vermenschlichung? der
Musik. Dreiklangharmonien entstehen, d. h. Stimmeneins?tze werden jetzt gemeinsam begonnen. Es entsteht eine Musik, die menschliche Gem?tsbewegungen wiedergibt, Texte werden verst?ndlich, die Musik wird nachvollziehbar. In der Epoche der Renaissance ist
die Einteilung der Stimmen in Sopran, Alt, Tenor und Bass abgeschlossen. Mit der zugef?gten Bassstimme im Chorsatz wandelt sich das Klangideal und der vierstimmige Chorsatz wird die Regel. Es ist der Beginn der selbst?ndigen Instrumentalmusik. Chor?le
werden erstmals mit Orgel begleitet. Es entstehen Lehr- und Orgelb?cher mit Noten. Wichtig zu erw?hnen ist noch, dass w?hrend der Renaissance der Notendruck durch Ottaviano die Petrucci erfunden wurde.
Im neuzeitlichen Europa kommt es zur Weiterentwicklung der mittelalterlichen Instrumente und zur Neuentwicklung von anderen Instrumenten. Insbesondere werden Holz- Blas- und Streichinstrumente in den Stimmlagen Alt, Sopran, Tenor und Bass gebaut.

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Klassik (ca. 1780 ? 1827 n. Chr.)

Zwischen der Renaissance und dem Klassischen Zeitalter liegt die Epoche des Barock. Im Barock entsteht unter anderem die Dur- und Moll-Tonalit?t und die neue Gattung des musikalische Dramas, der Oper, und Oratorien, geistliche oder weltliche, mehrteilige
Kompositionen f?r Chor, Einzelstimmen und Orchester, sowie geistliche Konzerte und Cantaten in Deutschland. Es entsteht die erste Bl?tezeit, selbst?ndiger Instrumentalmusik, speziell der Streich- und Orgelmusik.
Die ?Wiener Klassik? ist eine Stilrichtung der europ?ischen Kunstmusik. Die wichtigsten Komponisten dieser Zeit sind Josef Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig von Beethoven. Diese drei gro?en Komponisten der Wiener Klassik fassen unterschiedliche
Musikarten und Kompositionsweisen vom Volkslied bis zur barocken Polyphonie zusammen. Eigenschaften des galanten und empfindsamen Stils vereinen sie und f?hren verschiedene weitere deutsche, franz?sische und italienische Stilarten in einer Vielfalt von
Gattungen zusammen. Die Instrumentalmusik erf?hrt eine Aufwertung zur eigenst?ndigen Kunst.
Wien als Zentrum der Klassik war eine Stadt mit einer vielschichtigen Musikkultur. Sie gab Raum und Hintergrund f?r die Entwicklung der klassischen Musik. In der 2. H?lfte des 18. Jahrhunderts waren Paris (Oper) und London (?ffentliches Konzert) noch
die tonangebenden St?dte Europas. Nach dem Tod Mozarts und dessen Verherrlichung und dem Zuzug Beethovens nach Wien erlangte die Stadt eine europ?ische Vormachtstellung.
Die ?Wiener Klassik? bedeutet das Ende der musikalischen F?hrung Italiens.

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Romantik (1820 ? 1910 n. Chr.)

Im 19.Jahrhundert beginnt das Zeitalter der Romantik. Bis ungef?hr 1860 herrschte eine starke Bindung an die Gattung der Instrumentalmusik (1. Sinfonie, 2. Sonate, 3. Kammer-musik s.u.). Es kommt zur nationalen Pr?gung der Oper, es ist die Bl?te des deutschen
Sololiedes mit Klavierbegleitung und der Beginn des ?ffentlichen Musiklebens, sowie die Bl?te der Hausmusik. Ab 1860 entsteht einerseits die R?ckbesinnung zu den alten Musikformen des Barock, in der Instrumentalmusik andererseits ?kultivieren? sich immer
mehr klangliche Verfeinerungen. In dieser Zeit werden weniger Sonaten geschrieben, aber weiterhin vielf?ltige Kammer- und Klaviermusik. Das Sololied mit Orchesterbegleitung erf?hrt, wie auch das Musikdrama und die gro?e Oper, einen H?hepunkt; auch als
Ausdruck nationaler Gef?hle. Gleichzeitig entwickelt sich die Operette und damit eine neue Epoche der Unterhaltungsmusik.

1. Sinfonie:
Gro?es Musikst?ck aus 4-5 S?tzen f?r Orchester

2. Sonate:
Musikst?ck aus 3 oder 4 S?tzen f?r ein oder mehrere Instrumente.

3. Kammermusik:
Der Name h?ngt mit dem Ort der Auff?hrung zusammen. Nicht Kirche oder Theater, sondern die h?fische Kammer. Die Kammermusik wendet sich an einen kleinen Kreis von Kennern und Liebhabern. Die Besetzung der Instrumente ist stets solistisch.
« Last Edit: 13. October 2009, 08:11:45 by Mino »
Grüße,
Mino der Barde
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Praesis ut prosis, non ut imperes.