Author Topic: H?fisches Fest  (Read 1800 times)

Offline Marian

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H?fisches Fest
« on: 02. May 2009, 21:48:50 »
Im Nibelungenlied werden mehrere Feste gefeiert: Siegfrieds Schwertleite, nach dem Sachsenkrieg, die Doppelhochzeit, das Fest w?hrend welchem Siegfried ermordet wird, Kriemhilds Verm?hlung mit Etzel und schlie?lich das Fest, das den Untergang der Burgunden bedeutet.
   Bei Siegfrieds Ritterschlag sind verschiedene Elemente eines h?fischen Festes vorhanden. So beginnt das Fest mit dem Besuch der Messe. Hoffeste, neuhochdeutsch f?r hochgez?t oder hochz?t, waren dem Alltag enthocben und stellten eine willkommene Abwechslung dar. Sie sind immer mit kirchlichen Br?uchen verbunden, da dies eine Art Weihe bedeutet, dass die Kirche diese Festlichkeit guthei?t. So findet beispielsweise sowohl das Fest nach dem Sachsenkrieg als auch Kriemhilds Verm?hlung mit Etzel an Pfingsten statt.
   Nach dem Ritterschlag folgt das Turnier. Turniere dienten der Unterhaltung, waren aber auch geeignet, um auf sich aufmerksam zu machen und das Herz einer geliebten Dame zu gewinnen. So kam es in der Dichtung vor, dass eine K?nigin sich als Turnierpreis aussetzte (K?nigin Herzeloyd). In der Realit?t war es nicht eine Adelsdame, aber Frauen als Preise waren nicht vollkommen abwegig. In Magdeburg winkte 1280 eine Prostituierte als Preis. Desweiteren konnte ein Sieger seinen Besitz vergr??ern, indem der Besiegte ihm entweder alles geben musste, was er an sich hatte oder was er aufbringen konnte. Der Buhurt, der ebenso im Nibelungenlied erw?hnt wird, ist ein Formationsritt, bei dem manchmal mit Lanzen gek?mpft wird. Der Schwertkampf ist dem Turnier vorbehalten.
   Sp?ter werden die G?ste an ihren Platz geleitet, was die Aufgabe des Truchsesses ist. Die Sitzordnung ist hierarchisch aufgebaut, das hei?t, je n?her ein Gast an dem Gastgeber sitzt, desto h?her ist seine Stellung. Die Speisen werden von der Dienerschaft in den Raum getragen und K?mmerer bringen Becken mit Wasser gef?llt, um die H?nde zu s?ubern. Ein bekanntes Beispiel f?r den Prunk h?fischer Tafelsitten taucht im 12. Jahrhundert auf, als eine mit lebenden V?geln gef?llte Pastete serviert wird. Beim Anschneiden fliegen Klein- und Jagdv?gel heraus, wobei letztere die ersteren jagen.
   Zu unterscheiden ist auch zwischen h?fischen und unh?fischen Speisen. Bei dem letzten Fest im Nibelungenlied werden Met, Maulbeermost und Wein erw?hnt (V. 1812). Diese sind im Gegensatz zu Bier h?fische Getr?nke. Bei Hoffesten wurden zumeist Wildbret und Fisch serviert. Durch den vielfachen Gebrauch an orientalischen Gew?rzen wurde der Reichtum und die damit verbundene Macht demonstriert. Als Naschwerk eigneten sich exotische Fr?chte wie Datteln, Feigen, aber auch N?sse.
Bei der Doppelhochzeit ist zu erkennen, dass die Geschlechter beim Festmahl getrennt wurden. So gehen Ute und Kriemhild, und damit auch deren Gefolge, in einen separaten Raum. Nur Br?nhild bleibt als Braut Gunthers im Raum.
Ein weiteres h?fisches Spektakel war neben dem Turnier der Einzug der Damen. Kriemhild zieht auf dem Fest nach dem Sachsenfeldzug mit ?ber hundert sch?nen M?dchen und von hundert Rittern eskortiert in den Saal ein, um zu demonstrieren, dass das Burgundenland stolz sein kann, laut Ritter Ortwin (V. 273). Die M?nner versuchen w?hrend des Einzugs einen Blick auf die jungen M?dchen zu erhaschen, die sonst von ihnen ferngehalten werden.